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Kantons- und Gemeindesteuern erklärt: Tarif, Steuerfuss und die 26 Kantone im Vergleich

Zwei Drittel Ihrer Einkommenssteuer entscheiden sich in Kantonsparlament und Gemeindeversammlung. So funktioniert das System – mit Zahlen für jeden Kanton.

Drei Ebenen, eine Basis

Das Steuerharmonisierungsgesetz schreibt den Kantonen vor, was besteuert wird (Bemessungsgrundlage, Abzüge im Grundsatz), nicht aber wie hoch. Tarife, Steuerfüsse und Freibeträge bleiben Sache der Kantone und – beim Steuerfuss – der Gemeinden. Daraus ergibt sich die klassische Formel:

Formel

Kantonssteuer = einfache Steuer (Kantonstarif) × kantonaler Steuerfuss
Gemeindesteuer = einfache Steuer × Gemeindesteuerfuss
Kirchensteuer = einfache Steuer × Steuerfuss der Kirchgemeinde (nur Mitglieder)

Bei 100’000 CHF Bruttolohn beträgt die einfache Steuer in Zürich rund 4’700 CHF. Der Kanton nimmt 95 % davon, die Stadt 119 % – zusammen 214 % oder rund 10’000 CHF. Wer stattdessen in Kilchberg wohnt (Gemeindesteuerfuss 72 %), zahlt 167 % der einfachen Steuer: 2’200 CHF weniger pro Jahr, bei gleichem Kantonstarif.

Der Kantonstarif: wo die Progression herkommt

Jeder Kanton hat seinen eigenen Stufentarif. Die Unterschiede sind gross: Der Kanton Zug besteuert 100’000 CHF steuerbares Einkommen (ledig) mit einem einfachen Satz von rund 5,6 %, Bern mit gut 5 % pro Einheit, aber bei einem Steuerfuss von 3,06 Einheiten (Kanton) plus 1,54 (Stadt). Basel-Stadt erhebt die ganze Kantons- und Gemeindesteuer für die Stadt Basel in einem einzigen Tarif (kein Gemeindesteuerfuss). Genf und Waadt arbeiten mit «centimes additionnels» – zusätzliche Prozentpunkte auf der Kantonssteuer für die Gemeinde.

Die 26 Kantone 2026: Steuerfüsse der Hauptorte und Steuer bei 100’000 CHF

Ledig, konfessionslos, Standardabzüge. «Kantonsfaktor» und «Gemeindefaktor» sind die effektiven Multiplikatoren auf die einfache Steuer, wie sie der ESTV-Rechner anwendet (inkl. Rabatte).

KantonHauptortKantonsfaktorGemeindefaktorKantonssteuerGemeindesteuerTotal Kt. + Gde.
Aargau (AG)Aarau103.0 %96.0 %CHF 5’451CHF 5’080CHF 10’531
Appenzell Innerrhoden (AI)Appenzell96.0 %56.0 %CHF 5’386CHF 3’142CHF 8’527
Appenzell Ausserrhoden (AR)Herisau330.1 %410.1 %CHF 5’609CHF 6’968CHF 12’577
Bern (BE)Bern297.5 %154.0 %CHF 9’592CHF 4’965CHF 14’558
Basel-Landschaft (BL)Liestal100.0 %65.0 %CHF 9’025CHF 5’866CHF 14’891
Basel-Stadt (BS)Basel50.0 %50.0 %CHF 6’429CHF 6’429CHF 12’857
Freiburg (FR)Fribourg96.0 %80.0 %CHF 7’975CHF 6’646CHF 14’621
Genf (GE)Genève130.8 %45.5 %CHF 10’120CHF 3’554CHF 13’674
Glarus (GL)Glarus59.7 %61.0 %CHF 5’620CHF 5’743CHF 11’363
Graubünden (GR)Chur92.0 %88.0 %CHF 5’511CHF 5’272CHF 10’783
Jura (JU)Delémont285.0 %190.0 %CHF 8’233CHF 5’489CHF 13’721
Luzern (LU)Luzern145.0 %145.0 %CHF 4’861CHF 4’911CHF 9’773
Neuenburg (NE)Neuchâtel124.0 %65.0 %CHF 10’666CHF 5’601CHF 16’267
Nidwalden (NW)Stans261.0 %235.0 %CHF 5’004CHF 4’555CHF 9’558
Obwalden (OW)Sarnen324.9 %385.9 %CHF 4’374CHF 5’195CHF 9’569
St. Gallen (SG)St. Gallen105.0 %138.0 %CHF 5’762CHF 7’573CHF 13’335
Schaffhausen (SH)Schaffhausen76.0 %83.0 %CHF 4’632CHF 5’119CHF 9’750
Solothurn (SO)Solothurn104.0 %112.0 %CHF 6’889CHF 7’489CHF 14’378
Schwyz (SZ)Schwyz110.0 %174.9 %CHF 2’455CHF 3’906CHF 6’361
Thurgau (TG)Frauenfeld109.0 %142.0 %CHF 4’887CHF 6’366CHF 11’253
Tessin (TI)Bellinzona100.0 %93.0 %CHF 6’585CHF 6’145CHF 12’730
Uri (UR)Altdorf (UR)100.0 %95.0 %CHF 4’928CHF 4’782CHF 9’710
Waadt (VD)Lausanne147.3 %78.5 %CHF 9’720CHF 5’182CHF 14’901
Wallis (VS)Sion100.0 %110.0 %CHF 6’246CHF 6’208CHF 12’454
Zug (ZG)Zug78.0 %52.0 %CHF 2’151CHF 1’434CHF 3’585
Zürich (ZH)Zürich95.0 %119.0 %CHF 4’457CHF 5’607CHF 10’065

Innerhalb des Kantons: die Gemeinde macht tausende Franken aus

100’000 CHF brutto, ledig, konfessionslos, 35 Jahre.
KantonGünstigste GemeindeNetto nach SteuernTeuerste GemeindeNetto nach SteuernDifferenz
ZürichZumikonCHF 79’700MaschwandenCHF 77’026CHF 2’674
BernDeisswil bei MünchenbuchseeCHF 75’051ScheltenCHF 70’827CHF 4’224
WaadtEclépensCHF 74’757La PrazCHF 72’314CHF 2’443

Die Kirchensteuer

Mitglieder der reformierten, römisch-katholischen und (wo anerkannt) christkatholischen Kirche zahlen zusätzlich einen Steuerfuss der Kirchgemeinde auf der einfachen Steuer – meist 5 bis 25 %. In Genf, Neuenburg und teilweise im Tessin ist der Kirchenbeitrag freiwillig; in Basel-Stadt, Waadt und Wallis wird die Kirche aus dem allgemeinen Steuertopf finanziert oder erhebt keine eigene Steuer. Ein Kirchenaustritt ist steuerlich wirksam ab dem Datum der schriftlichen Erklärung.

Personalsteuer und andere Fixbeträge

Einige Kantone erheben zusätzlich eine kleine Kopfsteuer pro erwachsene Person (Zürich 24 CHF, Luzern 50 CHF, Tessin 40 CHF, Genf 25 CHF), unabhängig vom Einkommen. Der Rechner weist sie separat aus.

Wer den Steuerfuss festlegt – und wie oft er sich ändert

Der Steuerfuss ist kein Verwaltungsakt, sondern ein politischer Entscheid, der jedes Jahr neu fällt. Auf Gemeindeebene beschliesst ihn die Gemeindeversammlung oder das Gemeindeparlament zusammen mit dem Budget, meist im November oder Dezember für das Folgejahr. Auf Kantonsebene entscheidet das Kantonsparlament; in mehreren Kantonen untersteht eine Erhöhung zudem dem fakultativen oder obligatorischen Referendum.

Für Sie bedeutet das zweierlei. Erstens: Der Steuerfuss Ihrer Gemeinde kann sich ändern, ohne dass Sie umziehen – nach oben, wenn eine Schulhaussanierung ansteht, nach unten, wenn ein grosser Steuerzahler zuzieht. Kleine Gemeinden schwanken deutlich stärker als Städte, weil ein einzelner Zuzug oder Wegzug dort spürbar ins Gewicht fällt. Zweitens: Der Tarif selbst – die Progressionskurve – ändert nur durch Gesetzesrevision und damit selten, während der Steuerfuss als Multiplikator jedes Jahr feinjustiert wird. Wer die Belastung über die Jahre vergleichen will, muss deshalb beide Grössen kennen.

Dazu kommt der interkantonale Finanzausgleich (NFA), der die Extreme dämpft: Ressourcenstarke Kantone wie Zug, Schwyz und Zürich zahlen ein, ressourcenschwache erhalten Beiträge. Er ist der Grund, weshalb der Steuerwettbewerb die öffentlichen Leistungen nicht in dem Mass auseinanderdriften lässt, wie es die reinen Steuerfüsse vermuten liessen. Die aktuellen Werte für alle Gemeinden zeigt unsere Rangliste der Steuerbelastung.

Was der Steuerfuss nicht erklärt

Ein tiefer Steuerfuss allein sagt wenig: Entscheidend ist die Kombination aus Tarif, Steuerfuss und Abzügen. Zug hat zwar den Steuerfuss 78 % (Kanton) – aber auch einen sehr flachen Tarif und grosszügige Abzüge. Umgekehrt haben Berner Gemeinden mit Steuerfuss 1,2 immer noch eine höhere Belastung als Zürcher Gemeinden mit 120 %, weil die Einheit anders definiert ist. Vergleichen Sie deshalb immer den Nettolohn nach Steuern, nicht den Steuerfuss – genau das tut der Vergleichsrechner.

Häufige Fragen

Was ist die «einfache Steuer»?

Der Betrag, der sich aus dem kantonalen Tarif für ein bestimmtes steuerbares Einkommen ergibt – bei einem Steuerfuss von 100 %. Kanton, Gemeinde und Kirchgemeinde multiplizieren diese einfache Steuer je mit ihrem Steuerfuss. Die einfache Steuer ist somit die gemeinsame Basis aller drei Ebenen.

Was ist der Steuerfuss?

Ein Vielfaches (in Prozent oder Einheiten) der einfachen Steuer, das Kanton und Gemeinde jährlich per Budgetbeschluss festlegen. Beispiel Stadt Zürich 2026: Kanton 95 %, Gemeinde 119 %. Ein Steuerfuss von 119 % bedeutet: Die Gemeinde verlangt 1,19-mal die einfache Staatssteuer.

Warum haben manche Kantone keinen Steuerfuss?

Genf, Waadt, Tessin, Wallis, Basel-Stadt und andere bauen ihre Tarife anders auf: Der Kantonstarif liefert direkt die Kantonssteuer (Steuerfuss 100 %) oder wird mit «Centimes additionnels» ergänzt, und die Gemeinde erhebt einen Prozentsatz davon. Das Prinzip bleibt gleich: Gemeindesteuer = Prozentsatz der Kantonssteuer-Basis.

Wie finde ich den Steuerfuss meiner Gemeinde?

Im Lohnrechner ist er für alle 2’110 Gemeinden hinterlegt, mit den Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung als Quelle. Offiziell publizieren ihn die kantonalen Steuerverwaltungen jährlich in einer Steuerfusstabelle, meist im Herbst für das folgende Jahr. Massgebend ist immer der Steuerfuss der Gemeinde, in der Sie am 31. Dezember Wohnsitz hatten — nicht derjenige Ihres Arbeitsorts.

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Quellen

Mottalib Radif

Verfasst von Mottalib Radif

MBA INSEAD · Experte für persönliche Finanzen und Steuern

Stand 2026, zuletzt aktualisiert am 2026-09-16